Studie zeigt Scheitern der deutschen Glücksspielregulierung

02. Juni 2017
  • Deutsche Glücksspielregulierung nicht geeignet die selbstgesetzten politischen Ziele zu erreichen.
  • EU-Vergleich zeigt: Kanalisierung der Nachfrage hin zu lizensierten Anbietern ist Grundvoraussetzung für einen effektiven Verbraucherschutz.
  • Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten müssen handeln und Markt in Gänze neu ordnen.

Berlin, 29. Mai 2017. In der wissenschaftlichen Studie „Faktenbasierte Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags“ kommt deutlich zum Ausdruck, dass die deutsche Glücksspielregulierung in ihrer aktuellen Form nicht in der Lage ist, die selbstgesetzten politischen Ziele zu erreichen. Gerade das Verbot von online Casinoangeboten hat sich dabei als völlig ineffektiv und kontraproduktiv erwiesen. Erfahrungen aus anderen EU-Mitgliedstaaten wie etwa Italien oder Spanien zeigen, dass ein auf Verboten beruhender Regulierungsansatz scheitern muss – beide Länder haben daher inzwischen einen anderen Regulierungsansatz gewählt. Nur wenn der bestehende Markt in geordnete Bahnen gelenkt und ein legales Produkt angeboten werden kann, lassen sich notwendige Schutzstandards durchsetzen und sinnvolle Vorgaben, etwa zum Jugend- und Verbraucherschutz sowie der Suchtprävention, implementieren. Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland gerade bei der Kanalisierung der Nachfrage deutlich hinterher.

Dr. Dirk Quermann, Präsident des Deutschen Online Casinoverbandes (DOCV) kommentiert: „Die Studie belegt eindeutig das Scheitern der bisherigen Glücksspielregulierung in Deutschland, die im Wesentlichen auf Verbote und Angebotsrestriktionen abzielt. Die jüngsten Änderungen am Regelwerk sind dabei allenfalls Stückwerk. Die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten müssen das Heft des Handelns in die Hand nehmen und den Markt in seiner Gänze neu ordnen. Die von Verbraucherseite bestehende Nachfrage muss anerkannt und in geordnete Bahnen gelenkt werden. Auf Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Erfahrungen aus dem EU-Ausland liefert die Studie hierzu detaillierte Kriterien für eine erfolgreiche Regulierung.“

Über die Studie
Die Studie „Faktenbasierte Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags“ wurde erstellt von:

  • Prof. Dr. Justus Haucap, Direktor des Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf,
  • Prof. Dr. Martin Nolte, Direktor des Instituts für Sportrecht an der Deutschen Sporthochschule Köln,
  • Prof. Dr. Heino Stöver, Professor für sozialwissenschaftliche Suchtforschung an der Frankfurt University of Applied Sciences.
    Die Studie wurde vom Deutschen Online Casinoverband (DOCV) und vom Deutschen Sportwettenverband (DSWV) gefördert. Sie ist im Volltext unter gluecksspielstudie.de abrufbar.