In Deutschland wird jede Spielrunde einzeln besteuert. In anderen europäischen Staaten wird der Bruttospielertrag, die Einsätze abzüglich der Gewinne besteuert. Die DIW Econ Studie untersucht als zentralen Faktor die Spieleinsatzsteuer von 5,3 % auf virtuelle Automatenspiele. Die Analyse zeigt einen empirischen Zusammenhang zwischen Steuerhöhe und Kanalisierungsrate: Je höher die Steuerbelastung, desto geringer der Anteil der Spielenden, die legale Angebote nutzen. Konkret ergibt die statistische Analyse, dass ein Anstieg der Steuer um einen Prozentpunkt mit einer Verringerung der Kanalisierung um im Durchschnitt 0,82 Prozentpunkte einhergeht. Grundlage der Analyse sind Daten von H2 Gambling Capital, Eurostat, der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) sowie der Weltbank aus 18 europäischen Ländern zwischen 2010 und 2024.
„Die Einsatzsteuer drückt die Auszahlungsquoten im legalen Markt nach unten: Wer legal spielt, kann mit dem gleichen Einsatz deutlich kürzer spielen als bei illegalen Angeboten“, mahnt Dirk Quermann, Präsident des Deutschen Online Casinoverbandes. „Damit profitieren die illegalen Anbieter von der Einsatzsteuer in ihrer jetzigen Form. Wir brauchen einen pragmatischen Weg, um Spielende im legalen Markt zu halten. Eine Reform der Besteuerung verbessert nach den Studienergebnissen die Lenkung in den regulierten Markt deutlich.“
Die Besteuerungsgrundlage führt in Deutschland zu zwei Effekten. Der Return-to-Player (RTP) liegt im legalen Markt nach Steuern im Schnitt bei rund 89 %. Im illegalen Markt liegt der RTP-Wert bei rund 95 %. Spielende können im lizenzierten Markt mit gleichem Einsatz deutlich kürzer spielen. Die Einsatzsteuer führt bei marktüblichen Auszahlungsquoten zu einer effektiven Steuerbelastung von 45 bis 60 % des Bruttospielertrags. Im europäischen Vergleich erreichen Länder mit einer Bruttospielertragsbesteuerung bei effektiven Steuersätzen von 20-30 % deutlich höhere Kanalisierungswerte von rund 80 %. Für Deutschland bedeutet das, dass im Jahr 2023 erst bei einer effektiven Bruttospielertragssteuer unterhalb von 30 % eine Kanalisierungsrate von mindestens 80 % erreicht worden wäre.
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) geht von einem Volumen illegaler Online-Glücksspielangebote in Höhe von 400 bis 600 Millionen Euro aus. Eine weitere Studie der Universität Leipzig belegt, dass rund 50 % der Spielzeit auf illegale Anbieter entfällt. Laut der polizeilichen Kriminalstatistik haben sich die Glücksspieldelikte seit 2020 versiebenfacht.
„Alle Zahlen unterstreichen: Der illegale Markt wächst. Mit dem Glücksspielstaatsvertrag wollten die Bundesländer gezielt den legalen Markt stärken. Faktisch weichen viele Spielende durch das Steuermodell auf illegale Angebote aus“, so Dirk Quermann. „Das führt nicht nur zu erheblichen Steuerausfällen für die Bundesländer, sondern auch Spielerschutzmechanismen greifen nicht. Anknüpfend an die Studienergebnisse fordert der DOCV die Einsatzsteuer auf virtuelle Automatenspiele im Glücksspielstaatsvertrag durch eine Bruttospielertragssteuer zu ersetzen.“
DEUTSCHER ONLINE CASINOVERBAND
Der Deutsche Online Casinoverband (DOCV) ist ein Zusammenschluss von Unternehmen, die in der Entwicklung und dem Betrieb von Online-Casinos tätig sind. Die Mitgliedsunternehmen des DOCV sind alle in Deutschland durch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder lizenziert. Seit der Verbandsgründung im Jahr 2017 setzt sich der DOCV für eine tragfähige und rechtssichere Regulierung von Online-Casinospielen, virtuellen Automatenspielen und Online-Poker in Deutschland ein.
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Paulina Bulligan
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